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Studienbeispiel Rauchen und Krankheit

Krebs-Risiko
In einer US-amerikanischen Studie wurden 17.774 zigarrenrauchende und nichtrauchende Männer 20 Jahre beobachtet. Raucher hatten ein doppelt so hohes Risiko für Malignome des Mund- und Rachenraums, der Speiseröhre und der Lunge. Gleichzeitig stieg das Risiko für KHK und obstruktive Lungenerkrankungen signifikant. Wenn zusätzlich mehr als 3 alkoholische Getränke getrunken wurden, stieg das relative Risiko für Oropharynx-Malignome auf 7,6.(Iribarren et al., N Engl J Med 340, 1999, S.1773-1780)
Zigarrenraucher haben ein 5-fach (1 Zigarre/Tag) bzw. 8-fach (>3 Zigarren/Tag) erhöhtes Bronchialca.-Mortalitätsrisiko, ein 4-fach erhöhtes Mortalitätsrisiko für Mundhöhlen- und Pharynx-Ca. sowie ein 10-faches für Larynx-Ca. gegenüber Nichtrauchern. (Cancer Prevention Study II, J.Nat. Cancer Inst. 92, 2000, S. 333-337).
Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Blasenkrebs (Prof.K.Stockamp, Ludwigshafen, ÄZ 100, 31.5.2000, S.12)

Schilddrüse
In Studie mit 132 gleichgeschlechtlichen Zwillingspaaren steigern Raucher das Risiko für Schilddrüsenerkrankungen ums 3-fache (besonders Autoimmunthyreoiditis)
(Heiber Brix/Odense et. Al.; Archives of Internal Medicine 160/13, 2000, S.661-665)

Schwangerschaft u.ä.
Bei einer Untersuchung mit 3300 Kindern, war die Funktion vor allem der kleinen Atemwege bei Kindern beeinträchtigt, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht hatten. (Thorax 55, 2000, S.271)
Bei 2 Studien mit über 30000 Teilnehmerinnen waren Spontanaborte und Fehlbildungen
(Mikroenzephalus, Kiefer-Gaumen-Spalte, Klumpfuß) bei Raucherinnen um das 1,7- bzw. 2,3-fache gegenüber Nichtraucherinnen erhöht. (Geburtsh Frauenheilk 60, 2000, S.11)
Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft rauchten, entwickeln 4-fach häufiger Verhaltensauffälligkeiten im Kleinkindesalter (z.B. Aufsässigkeit) wie Kinder von Nichtraucherinnen.
(Brook et al., Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine 154/4, 2000, S.381-385)
Kinder rauchender Väter haben ein signifikant erhöhtes Leukämierisiko durch Weitergabe genetischer Mutationen des Vaters an Samenzelle. (Nieschlag, Münster, ÄZ 9/99)
Schwangerschaftrisiko trotz Pille bei Raucherinnen um das 7-fache erhöht E.Andreasen et al., Kolding/Dänemark
In den Lungen von an plötzlichem Kindstod verstorbenen Kindern fand sich durchschnittlich 20ng/g Nikotin gegenüber 9ng/g bei aus anderen Gründen verstorbenen Kindern. Kinder aus Raucherfamilien wiesen höhere Nikotinspiegel auf als die Verstorbenen aus Nichtraucherfamilien. Nahrung als Nikotinquelle scheidet aus. Pediatrics 140, 2002, S.205-209

Diabetes
Rauchen stört Glukosetoleranz, erhöht Insulin- und C-Peptid-Spiegel, verschlechtert Insulinresistenz, beschleunigt Entwicklung von Arteriosklerose, Nephropathie und Neuropathie bei Diabetikern. Raucher haben lt. Nurses Health Study eine um 42% erhöhte Wahrscheinlichkeit an Diabetes Typ II zu erkranken. (Röper, ÄP 34, 28.4.2000; Forum Dr.Med.2, 2000, S.16-21)
Die Nierenfunktion bei rauchenden Diabetikern läßt in einer Studie über 64 Monate selbst bei adaequater Therapie mit ACE-Hemmern schneller nach als bei Nichtrauchern: Bei den Nichtrauchern stieg das Kreatinin von 1,08 auf 1,32, bei den Rauchern auf 1,78 mg/dl an. Rauchen ist dabei der einzige unabhängige Prognosefaktor für das Fortschreiten der diabetischen Nephropathie (Ursachen sind z.B. erhöhte Endothelin-Spiegel oder oxidativer Stress) T.Chuahirun et al., Am J. Kidney Dis. 39, 2002, S. 376-382

Arteriosklerose-Risiko
Bei 14-Jahres-Studie mit 84129 Frauen von 34-59 J. hatten nichtrauchende Frauen mit BMI < 25, mäßigem Alkoholgenuß, mindestens 1/2 Std. täglich Training sowie fett-, zuckerarm und ballaststoff-,vitaminreicher Kost eine KHK-Risikoverminderung um 83%. Nichtrauchen alleine reduzierte das KHK-Risiko um 74%. M.J. Stampfer, Boston bei den 72.Scientific Sessions der AHA, 7.-10.11.1999
Metaanalyse von 18 Studien: Passivraucher haben ein um 25% höheres KHK-Risiko (He et al., Lousiana, N.Engl.J. of Med. 340, 1999, S.320)
Bei Rauchern liegt Mangel an Tetrahydrobiopterin THB vor, das für korrekte Funktion der NO-Synthase wichtig ist: sie bildet deshalb statt NO vermehrt Freie Radikale, welche zusätzlich NO abbauen und die Arterioskleroseentstehung beschleunigen (Münzel et al., Hamburg, Circ. Res. 86, 2000, S.36)
Die Aorta verengte sich bei 50 Kaninchen nach _ Stunde Passivrauchen (infolge Schädigung von Endothelzellen). (Parmley et al., San Francisco, Arzt & Wirtschaft 7/98, S.62)
Metanaalyse von 19 Studien: Nichtraucher, die mit Rauchern zusammenleben, haben ein um 25% höheres Risiko für Herzinfarkt. (Br.Med.J. 315, 1997, S. 973)
In einer prospektiven Kohortenstudie über 12,3 Jahre mit 25000 Teilnehmern hatten Raucherinnen ein 2,24-faches und Raucher ein 1,43-faches relatives Risiko für Herzinfarkt gegenüber Nichtrauchern. (Br.Med.J. 316, 1998, S.1043-1047)
Orale Kontrazeptiva verdoppeln Herzinfarktrisiko. Orale Kontrazeptiva + Rauchen erhöhen Herz-Infarktrisiko um mehr als das 13-fache.Tanis B.C. et al., N. Engl.J.Med. 2001, 345, S. 1787-1793

Arteriosklerose-Risiko
Bei der Acne inversa (Entzündung der Talgdrüsen und Terminalhaarfollikel vorzugsweis im intertriginösen Bereich hat Rauchen eine „nicht geringe pahogenetische Bedeutung“ neben genetischer Veranlagung und Androgenen sowie Streptokokken und Staphylokokken.Therapie: Radikale Operation !!!
Quelle: Breuninger, Wienert, Deutsches Ärzteblatt, 98, 44, 2.11.2001, S. C2293-2296

Atemwege
Aktiv-Raucher haben ein 4-fach und Passiv-Raucher ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für schwere Pneumokokkeninfekte gegenüber Nichtrauchern (Nuorti, N.Engl.J. of Med. 342, 2000, S.681)
Raucher & Ex-Raucher haben in Barcelona lt. Fall-Kontroll-Studie ein 2-fach erhöhtes Risiko für ambulant erworbene Pneumonien wie Nichtraucher (Almirall et al., Chest 116, 1999, S. 375-379)
85% der 45000 Lungenkrebserkrankungen und 90% der 6 Mio. chronischen Bronchitiden in der BRD sind auf das Rauchen zurückzuführen.(Fabel, Hannover, Kongreß der Deutschen Pneumologischen Gesellschaft 2000)

Immunsystem & Mikronährstoffe
Randomisierte Doppelblindstudie mit Rauchern männlich & gesund; Laufzeit 14 Wochen; Zufuhr von 20mg b-Carotin/Tag; Verbesserung von Lymphzyten-Proliferation und Immunstatus; Von Poppel et al., American Journ. Clinical Nutrition 57, 402, 1993
Im Blut Zigarettenrauch-exponierter Tiere entstehen vermehrt entzündungsfördernde Substanzen, deren Bildung durch Vitamin C vollständig unterdrückt wird.(Lehr et al., Mainz, Forschungspreis “Rauchfrei Leben” 1998)
2g Vit. C/Tag fübren bei Rauchern nach 3 Monaten zu einer 100%-igen Zunahme des koronaren Blutflusses. (Schindler et al., Freiburg, Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft f. Kardiologie 1999)
Vit.C–Infusion (3g) bessert koronare Dysfunktion bei Rauchern signifikant (Kaufmann et al., Circulation 102, 2000, S.1233-1238)

Sinnesorgane
Die Sehnerv-Durchblutung verringert sich bei Rauchern nach einer Zigarette signifikantund erklärt möglicherweise die Häufung degenerativer Augenerkrankungen (z.B. Makuladegeneration bei Rauchern. (A. Böhm, Hamburg, MT 27.7.2000)
Rauchen ist für 20% aller Fälle von Blindheit bei Australiern über 50 J. verantwortlich (Prof.P.Mitchell, Sydney)
Raucher haben gegenüber Nichtrauchern ein um das 1,69-fache erhöhtes Risiko für Hörschäden (Prof.K.Cruickhanks, Wisconsin)

Demenz-Risiko
6870 Raucher und Nichtraucher wurden in einer prospektiven Studie durchschnittlich 2 Jahre beobachtet. 146 Probanden entwickelten in dieser Zeit eine Demenz. Das Risiko für Demenz war für Raucher um das 2,2-fache und für Alzheimer um das 2,3-fache höher als für Nichtraucher.(Ott et al., Smoking and risk of dementia and Alzheimer’s disease in a population-based cohort study: the Rotterdam Study, Lancet 351, 1998, S.1840-1843
Bei einer prospektiven Untersuchung an 34439 Ärzten seit 1951 senkt Zigarettenrauchen weder die altersspez. Erkrankungsrate an M.Alzheimer noch an Demenz allgemein. Doll et al., Brit.Med.J. 320, 2000, S. 1097-1102

Potenz & Fertilität
Rauchen erhöht Infertilitätsrisiko um das 2,8-fache (S.E.Chia et al., Br.J.Obstet.Gynaecol. 107, 2000, S.55-61)

Chirurgie & Orthopädie
Bei Rauchern Rückenschmerzrisiko, Bandscheibenschäden,Operaitonszeiten, Blutverluste, Narkosezeiten signifikant erhöht. (Rauschning, Welt-Wirbelsäulen-Kongress Berlin 2000, TW 1.9.2000)
Zigarettenrauchen verdoppelt das Risiko für Rheumatoide Arthritis bei Frauen (Dr. Saag K., Substudie der Iowa Women‘s Health Study mit > 30.000 Frauen; ÄZ 4.11.2000)

Allgemeine Gefahren des Rauchens
Bei Kindern können wenige Probierzigaretten abhängig machen (Gier nach Zigaretten, Entzugserscheinungen)
Joseph R. DiFranza et al., Massachussets, Tobacco Control 9, 2000, S.313-319

Zähne
In einer Langzeitstudie mit 914 Teilnehmern haben Teenies, die ab 15.LJ rauchen, ein 3-faches und solche die ab 21.LJ rauchen, ein 2-faches Risiko für Zahnfleischschwund (Parodontose mit Verlust des Stützgewebes, erhöhter Zahnbeweglichkeit, Zahnwanderungen und Abszessen) W.Murray Thomson et al., Community Dent Oral Epidemiol 29, 2001, S.130

Passivrauchen
Weibliche Nichtraucherinnen, die beim Partner passiv mitrauchen, haben ein um 1,2-1,3-fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko (z.B. Hirayma 1984, Fontham et al. 1991)
Durch Passivrauchen steigt das Nasenhöhlen- bzw. NNH-Krebsrisiko sowie das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen signifikant (z.B. California-EPA 1997)

Studienbeispiele Rauchen und Therapiemassnahmen

Sport
In einer Studie nahmen 281 Raucherinnen an einem verhaltenspsychologischen Entwöhnungsprogramm teil. Die Hälfte führte zusätzlich 12 Wochen ein körperliches Trainingsprogramm durch. Bei Therapieende hatten in der Trainingsgruppe 19% gegenüber 10% das Rauchen beendet und nach 1 Jahr waren noch 12% gegenüber 5% in der Kontrollgruppe abstinent. Gleichzeitig hatten die trainierten Frauen weniger zugenommen und waren
körperlich fitter. (B.H.Markus et al., Arch.Intern.Med.159, 1999, S.1229-1234)

Ernährung
In einer schwedischen Studie führten 287 Raucherinnen - die bereits Entzugsversuche hinter sich hatten - eine Entwöhnung mit Nikotinersatz-Therapie (Kaugummi) durch. 137 davon nahmen während der Entwöhnungsphase zusätzlich an einem verhaltenstherapeutisch gestützten Gewichtskontroll-Programm mit 420kcal-Reduktionskost teil. Nach 4 Monaten hatten in der Verumgruppe 50% (nach 1 Jahr 28%) in der Kontrollgruppe 35% (nach 1 Jahr 16%) das Rauchen aufgegeben. Die Verumgruppe hatte durchschnittlich 2,1kg abgenommen und die Kontrollgruppe 1,6kg zugenommen. (Rössner et al., Br.Med.J.319, 1999, S.490-493)

“Rund um die Beratung”
In einer Untersuchung wurden die Angaben von 5846 Rauchern zum Rauchverhalten mit den Blutwerten verglichen: Die Angaben der Raucher stimmen! Prof. E.Vartiainen, J Epidemiol Community Health 56, 2002, S.167
Prävention Unter 84000 Krankenschwestern hatten Schlanke (1) Sportliche (2) Nichtraucher (3) mit moderatem Alkoholgenuß (4) und mikronährstoffreicher Ernährung (5) ein um 75% erniedrigtes Risiko für c.v.E. Verzicht auf eines der 5 Kriterien erhöht Risiko nicht stark, wenn die anderen befolgt werden: außer Rauchen! (New Engl. J. of Med. 343, 2000, S. 16)

Chirurgie:
In einer Studie mit 120 Rauchern und Gelenksersatzoperation war das Komplikationsrisiko nach einer 6-8-wöchigen Tabakabstinenz bzw. Reduktion des Zigarettenkonsums insgesamt stark vermindert: Die postoperative Komplikationsrate lag insgesamt bei 18% gegenüber 52% in der Kontrollgruppe, bei Wundheilungsstörungen bei 5% gegenüber 31%, bei kardiopulmonalen Komplikationen bei 0% gegenüber 10% (Ursachen: verbesserte Kollagen-Bildung und Sauerstoffversorgung). Moeller et al., Kopenhagen, Lancet 359, 2002, S.114

Potenz:
Rauchen beeinträchtgt die Erektion durch negativen Einfluss auf die endothelabhängige Erschlaffung glatter Muskelzellen und erhöht damit das Risiko für ED um da Zweifache. Das Risiko sinkt wieder, wenn das Rauchen beendet wird. Rauchen verstärkt die Assoziation zwischen erektiler Dysfunktion und Risikofaktoren wie KHK und Hypertonie. McVary et al., Jurol 166, 2001, S.1624-1632

Orthomolekulare Medizin
Oxidative Proteinschäden durch Teer im Zigarettenrauch werden fast völlig durch Ascorbinsäure (aber nur teilweise durch Glutathion) verhindert. Toxicol Lett 2001 Aug.6, 123/1, S.21-32

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